Informationen zum Angeljahr 2021

Liebe Angelfreundinnen und Angelfreunde des Anglervereins Jena Süd e.V.

  1. Vorbemerkungen
    Die Auswirkungen der Coronapandemie macht auch vor dem Vereinsleben unseres Anglervereins nicht halt. Zum Glück ist die praktische Ausübung der Angelfischerei kaum betroffen. Das Miteinander innerhalb des Vereins aber ist schon gestört und Informationsdefizite bleiben nicht aus. Deshalb wollen wir einmal über aktuelle Informationen zu veränderten rechtlichen Bedingungen der Angelfischerei, konkreten Maßnahmen unseres Vereines zu Besatzmaßnahmen in der Saale sowie über die Zusammenarbeit in der Anglerunion Jena e.V. berichten.
  2. Veränderte Anforderungen an die Dokumentation von Fangerträgen
    Der § 9 der der Ausführungsverordnung zum Thüringer Fischereigesetzt vom 11.08.2020 erlegt dem Angler (juristisch sind wir Fischereiausübungsberechtigte, die mit der Methode der Angelfischerei Fische fangen dürfen) die Pflicht auf, seine Fänge in einer Fangkarte einzutragen. Diese Pflicht unterscheidet sich gegenüber der bisherigen Praxis grundlegend:
    • Es sind alle Fische einzutragen, getrennt nach entnommenen und auf Grund von Schonzeiten oder einzuhaltenden Mindestmaßen wieder zurückgesetzten Fischen.
    • Die Fische sind nach Art, Anzahl und Länge zu erfassen.
    • Zusätzlich ist die Dauer der Fangzeit pro Tag zu dokumentieren.
    • Angeltage ohne Fischfänge sind als Fehlmeldung mit Dauer der Fangzeit zu vermerken.
    Die neuen Fangkarten berücksichtigen bereits die neuen Anforderungen. In der Praxis wird es sicher einige Schwierigkeiten geben. z.B. bei der Frage: "Wie verfahre ich als Stippangler beim Fang von 20 untermaßigen Rotfedern, die wieder zurückgesetzt werde müssen?" Hier sollte eine Angabe der Gesamtanzahl mit der Längenangabe von bis ausreichend sein (vorerst meine rein persönliche Auffassung).
    Auf der neuen Fangkarte der AUJ findet ihr eine Unterteilung der Saale in 5 Abschnitte (S1 bis S5).
    Eine kleine Eselsbrücke zu den 5 Saaleabschnitten:
    • S3 ist der kurze Abschnitt zwischen Rasenmühlen- und Paradieswehr am Stadion.
    • Nach Süden sind es S2 und S1, dazwischen das Burgauer Wehr.
    • Nach Norden S4 und S5, dazwischen das Einlaufwehr an der Porstendorfer Kraftwerkslache.
    Also eine ganz einfache und übersichtliche Aufgliederung. Bei der Erstellung des neuen Hegeplanes für die Saale mussten wir feststellen, dass sich bei der Auswertung der Fangkarten keine Möglichkeit, Aussagen zum Fischbestand und zur Beanglungsintensität der einzelnen Saaleabschnitte zu treffen, ergab. Um einen sinnvollen Fischbesatz zu planen sind diese Erkenntnisse aber unabdingbar. Wir tappen einfach bisher im Dunklen. Deshalb ist die richtige Angabe des Saaleabschnittes so wichtig.
  3. Saalebesatz mit Bachforellen
    In der Vergangenheit war es üblich, im Frühjahr einen Besatz mit fangfähigen Bachforellen aus der Oberpfalz in die Saale vorzunehmen. Besatzpraktiken, die spätestens mit Wirksamwerden der unter 2. genannten Ausführungsverordnung zum Thüringer Fischereigesetzt unzulässig sind.
    Für dieses Jahr haben wir selbstständig einen Förderantrag für den Besatz von Bachforellen aus unserem Bruthaus Leutra gestellt. Die Förderwürdigkeit wird durch den Besatz von Bachforellen unterschiedlicher Altersstufen aus natürlichen Wildfängen begründet, der in der Lage ist, den Bachforellenbestand in der Saale in Richtung einer natürlichen Alterspyramide zu unterstützen. Anträge auf Förderung für Bachforellenwildfänge als Besatz wären übrigens auch schon vor 10 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv entschieden worden.
    Daneben werden alle Bachforellenwildfänge aus der Stadtleutra und der Leutra Maua in die Saale umgesetzt. Gegenwärtig sind aus den beiden Leutras 2118 einsömmrige -, 1150 zweisömmrige- und 727 mehrsömmrige Bachforellen in die Saale gesetzt worden. Zusätzlichen ist der Besatz mit vorgestreckten Bachforellen aus dem Bruthaus Leutra geplant. Die vielen kleinen Fische aus den Leutras, ergänzt mit vorgestreckten Bachforellen aus dem Bruthaus, sind wirkungsvolle Maßnahmen, die eine Stabilisierung des Bachforellenbestandes in der Saale gewährleisten werden.
    Zusätzlich sind 250 kg zweijährige Bachforellen an verschiedenen Stellen am 13.03.2021 gesetzt worden, die im Mühlgraben der Untermühle aufgezogen wurden. Die zweijährigen Bachforellen aus dem Mühlgraben sind im Schnitt 10 cm länger als die Zweijährigen aus den Leutras und wiegen das Mehrfache. Es sind dumme Fische und wir sollten sie als das unvernünftige Sahnehäubchen für unsere Angler ansehen. Bei einem Durchschnittsgewicht von über 300 g sind es zahlenmäßig deutlich unter 1000 Fische. Weil sie in ihrem Leben immer gegen fließendes Wasser schwimmen mussten, kann man ein besseres Anpassungsverhalten gegenüber teichgezogenen Forellen nach dem Einsetzen in die Saale erwarten.
    Die Saale bietet in unserem Pachtabschnitt mit vier Querbauwerken und Wasserkraftanlagen für Bachforellen mangelhafte Laichhabitate und stark eingeschränkte Jungfischhabitate. Mit anderen Worten, die Vermehrungsbedingungen von Bachforellen in der Saale sind so ungünstig, dass ein erfolgreiches Ablaichen, Schlupf befruchteter Eier und Überleben der Dottersackbrut nur im Ausnahmefall zu erwarten ist. Wer Bachforellen in der Saale fangen möchte muss besetzen.
    Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist der Besatz ab Stadium vorgestreckte Bachforellenbrut sinnvoll. Es werden die kritischen Lebensphasen übersprungen. Eine kleine Bachforelle mit 0,5 g und größer hat auch in der Saale gute Überlebenschancen. Diese Einschätzung wird noch von den natürlichen Rahmenbedingungen unterstützt, da der Besatz im Regelfall nicht vor Mai erfolgt und damit die Ernährungsgrundlagen günstig und die Hochwassergefahr minimal ist.
  4. Kritische Anmerkungen zum Mit- oder Gegeneinander in der Angler Union Jena
    Mit der Übernahme der Funktion des Vorsitzenden im Anglerverein Jena-Süd e.V. im April 2008 wurde ich automatisch Mitglied der Leitung der Angler Union Jena e.V..
    Parallel zu den Aufgaben als Vorsitzender eines Anglervereines übernahm ich ab 2005 die Wiederinbetriebnahme des Forellenbruthauses Leutra, vorerst unter der Schirmherrschaft der Anglerunion. Im Jahre 2012 ging das Bruthaus dann in den Besitz des Anglervereins Jena Süd e.V. über.
    Bereits in meiner früheren Arbeits- und Wirkungsstätte in Meiningen habe ich mich intensiv mit der Forellenaufzucht beschäftigt und bin beruflich unter anderem über 10 Jahre als Tierarzt auf dem Gebiet des Fischgesundheitsdienstes in Südthüringen tätig gewesen. Mit diesem beruflichen Fachwissen auf den Gebieten der Binnenfischerei, Fischkrankheiten, Fischerei- und Veterinärgesetzgebung waren natürlich gute Voraussetzungen für den Betrieb eines Forellenbruthauses gegeben. Seine Inbetriebnahme im Winter 2006/07 beinhaltete unter Anderem:
    • Organisation und Durchführung von E-Fischungen und Bachforellenlaicherbeschaffung
    • Bachforellenabstriche an Wildfängen,
    • Forellenbrutfütterung,
    • Erbrütung des befruchteten Fischlaichs,
    • Brutbesatz in Aufzuchtbächen,
    • Betreuung des kompletten Produktionsumfangs einer vollwertigen Forellenproduktionsanlage, die bis heute mit variierten Schwerpunkten voll funktionsfähig ist.
    Neben den genannten Aufgabenfeldern wurde mir die Erarbeitung der Hegepläne übertragen. Weiterhin habe ich mich bemüht, mein Fachwissen über die Weitergabe ausgewählter Fachliteratur und die Anleitung zur Überwachung der Wasserqualität an unseren stehenden Gewässern an die Gewässerwarte der Union zu übermitteln.
    Das bisherige Fazit meiner Bemühungen ist leider mehr als ernüchternd:
    • Zum Beispiel die Übernahme der 2011 erfolgten Abfischung des Schleichersees, die nach missglücktem Auftakt durch den Jenaer Anglerverein von unserem Verein übernommen und erfolgreich abgeschlossen wurde.
    • Die nach wie vor trotz umfangreicher Anleitung nicht umgesetzte Kontrolle der Wasserqualität der betreuten stehenden Gewässer.
    • Eine Verweigerungshaltung und Ignoranz gegenüber jeglicher Anleitungsbemühungen zur Verbesserung der Grundsätze einer zeitgemäßen Hege und Pflege unserer gepachteten Angelgewässer ist unerfreulich, aber bei Vorliegen einer offensichtlichen Antipathie gegenüber Neuerungen hinzunehmen.
    • Keiner der gegenwärtigen Leitungsmitglieder hat sich seit der Forellensaison 2011-2012 im Forellenbruthaus Leutra sehen lassen!
    Die stoische Verweigerungshaltung ließe sich mit weiteren Beispielen beliebig verlängern.
    All diese Bemühungen und Leistungen werden von der Leitung der Angler Union Jena e.V. mit einer schon beleidigenden Gleichgültigkeit abgehakt. Man will einfach nicht.
    Man kann es kaum glauben, aber es traten nach jeder unserer Aktivitäten sofort gegenläufige Kräfte auf den Plan, die alle Zielstellungen dieser Bemühungen bösartig entstellten und gezielt ehrabschneidende Äußerungen gegenüber Dritten über die Akteure dieses neuen Weges verbreiten.
    In den letzten 2 Jahren und besonders 2020 haben aber zunehmend junge Angelfreunde aus allen Vereinen der Angler Union Jena neue Wege beschritten, und es hat ein Umdenken bei der Beachtung der Anforderungen bei der Bewirtschaftung von Angelgewässern stattgefunden.
    Liebe Angelfreunde, lasst euch nicht für dumm verkaufen. Der Gesetzgeber hat auch dem Angler in seiner Funktion als Fischereiausübungsberechtigten mit Pflichten belegt, die leider in der Vergangenheit streckenweise bei der Bewirtschaftung unserer Angelgewässer mit Füßen getreten wurden. Wenn wir in unserem Anspruch gegenüber dem Naturschutz bestehen wollen müssen wir umdenken und die aktuellen Anforderungen an Hege und Pflege erkennen und einhalten.

Viele Grüße und Petri Heil
euer Vorsitzender

Dr. Per Zemke

 

zurück